Nachrichten aus dem Inneren

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Klaus Nüchtern
Falter & Meinung | aus FALTER 26/12 vom 27.06.2012

Die Geschlechtergegensätze sind zwar "eine Konstruktion!“ (wie die mit allen kulturwissenschaftlichen Wässerchen gewaschenen Schlauberger und Schlaubergerinnen gerne ausrufen), aber deswegen nicht weniger rätselhaft. Wobei ich "rätselhaft“ keinesfalls im Sinne eines ewigen Enigmas verstanden wissen möchte, eher im Sinne alltäglicher Verwunderung: "Komisch, kann doch nicht sein, dass da Topflappen im Kühlschrank liegen. Wer das nun wieder war? Vermutlich Männer, die tun so was!“ Frauen wiederum essen Mozzarella, trinken Frizzante und interessieren sich für Fußball aus den falschen Gründen (Stichwort: Leiberltausch). Die Chefin vom Dienst Isa Grossmann tut nicht mal das. "Pirlo, wer?“, fragt sie bei der Sitzung. "Andrea Pirlo.“ "Und was tut die?“ "Fußball spielen.“ Grossmann schüttelt verwundert den Kopf und notiert: "Pirlow.“

Frauen, heißt es, sind nicht so sehr für Dinge, sondern interessieren sich mehr für die belebte Natur: Tiere und Menschen et al. Seitdem in dieser Rubrik Dinge und Begriffe statt Namen von Kolleginnen und Kollegen gefettet werden, hat Nina Horaczek aufgehört, sie zu lesen. So was tut mir weh. Ich möchte Nina Horaczek nicht als Leserin verlieren. Hin und wieder erklären mir Geschlechtsgenossen, die nicht einmal unter "Frauenversteher“ firmieren, was und wie Frauen lesen. Ich beherzige das immer sofort und mache dann mehr Punkte oder so. Jetzt kann ich ihnen einmal was zurückgeben: Frauen wollen Namensfettungen. Und ich geh jetzt die Topflappen in den Kühlschrank legen.


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