Am Apparat  

Herr Ladstätter, ist der Skylink-Terminal ein Pfusch?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 26/12 vom 27.06.2012

Knapp 800 Millionen Euro, doppelt so viel wie geplant, kostete der neue Flughafen-Terminal Skylink in Schwechat. Der "Check-in 3“, wie Skylink offiziell heißt, sorgt weiterhin für Ärger. Der Flughafen ist nicht barrierefrei, kritisiert Markus Ladstätter vom Behindertenberatungszentrum Bizeps.

Herr Ladstätter, ist Skylink ein Pfusch?

Ja. Aus Sicht der Barrierefreiheit ist es ein Pfusch. Wesentliche Punkte wurden nicht beachtet, mancher Schildbürgerstreich wurde produziert. Bei den barrierefreien Toiletten gibt es etwa einen Schalter, den man vom Rollstuhl aus gar nicht bedienen kann, weil einem dann die Tür entgegenschlägt.

Wie können solche Fehler passieren? Gibt es da nicht gesetzliche Auflagen?

Es gibt gängige Normen und Gesetze. Auch führten die Behindertenvertreter jahrelang Gespräche mit dem Flughafen. Unsere Vorschläge wurden aber nicht umgesetzt. Stattdessen folgte man den Ideen eines Designbüros.

Es ging also mehr ums Design als um Barrierefreiheit?

Ja, so schaut es zumindest aus.

Im Vergleich dazu: Wie sieht ein guter barrierefreier Flughafen aus?

Man sollte als behinderter Fluggast alleine zurechtkommen. Zum Beispiel mit kontrastreichen Hinweistafeln, keinen Stufen, möglichst kurzen Wegen.

Ist Skylink auch für nicht behinderte Menschen unpraktisch?

Ich habe mit einigen Vielfliegern gesprochen, die meinten, dass die Wege im Vergleich zu anderen Flughäfen weit und kompliziert sind und dass es allgemein schlechter geworden ist.

Ist Skylink noch zu retten?

Die langen Wege kann man wohl nicht mehr ändern, aber bei einigen Kleinigkeiten könnte man nachbessern. Es heißt: Gut Ding braucht Weile. Es hat 13 Jahre gedauert, bis Skylink eröffnet wurde. Ich erwarte, dass die Adaptierungen rascher umgesetzt werden. Wir überlegen derzeit auch rechtliche Schritte gegen den Flughafen.

Interview: Ingrid Brodnig


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