"Zu viele Lehrer schauen weg“

Interview: Ingrid Brodnig | Politik | aus FALTER 26/12 vom 27.06.2012

Psychologin Dagmar Strohmeier über prügelnde Kinder und Erwachsene, die das verharmlosen

Geschlagen, geschubst, gestoßen, getreten: Jeder vierte Bursche gab an, mindestens zweimal pro Monat Opfer von Gewalt zu werden. Bei den Mädchen waren es nur sechs Prozent. Dies ergab die Zusatzanalyse der Pisa-Studie 2009. Bildungspsychologin Dagmar Strohmeier, eine der Autorinnen der Studie, erklärt, wie problematisch die Gewalt an österreichischen Schulen ist.

Falter: Frau Strohmeier, warum sind Burschen so viel mehr von Gewalt betroffen?

Dagmar Strohmeier: Meine Hypothese lautet: Es liegt an der geschlechtsspezifischen Sozialisation. Wenn ein Mädchen aggressives Verhalten zeigt, wird das viel eher sanktioniert als bei einem Burschen. Die Umwelt toleriert bei Burschen manch ein aggressives Verhalten oder reagiert erst viel später darauf.

Oft heißt es: Burschen raufen halt!

Strohmeier: Genau diese Haltung meine ich. Es stimmt schon, dass sogenannte raue Spiele einen sozialisatorischen Effekt haben.

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