Jean-Jacques, der Peinliche


Lektürebericht: Armin Thurnher
Feuilleton | aus FALTER 26/12 vom 27.06.2012

Gehasst und verehrt, paranoid und luzid, verwirrend und ergreifend: warum man Rousseau lesen sollte

Jean-Jacques Rousseau war und bleibt eine Peinlichkeit. Frankreich feiert ihn im Jahr seines 300. Geburtstags leicht verlegen. Gut, Rousseau war kein Franzose, sondern Bürger der Republik Genf, also Schweizer. Aber im Gegensatz zu Franz Liszt, einem gebürtigen Ungarn, und Frédéric Chopin, einem gebürtigen Polen, widmete La Republique Française ihm kein Gedenkjahr. Obwohl die Republikaner 1794 seinen Leichnam ins Pantheon überführt und ihn gegenüber seinem Intimfeind Voltaire bestattet haben.

Rousseaus Gebeinen trug man ein Exemplar des "Gesellschaftsvertrags“ voran. Der Revolutionär Robespierre berief sich mit geradezu religiöser Inbrunst auf Rousseau: "Er griff die Tyrannei mit Freimut an; er sprach mit Begeisterung von der Gottheit; seine Beredsamkeit schilderte enthusiastisch die Vorzüge der Tugend; sie verteidigte jene tröstlichen Grundsätze, die die Vernunft dem Herzen

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