Wir sind alle Kinder Rousseaus

Spaziergang: Sebastian Kiefer | Feuilleton | aus FALTER 26/12 vom 27.06.2012

Wer hat’s erfunden? Ein Schweizer. Viel von dem, was unserem Denken heute selbstverständlich erscheint, geht auf Rousseau zurück

Wir alle sind Rousseaus Kinder, zuallererst in unserem Verhältnis zu Kindern. Kindsein ist für uns keine bloße Vorstufe des Menschseins, sondern eine Phase eigenen Rechts und eigener Rätsel. Kinder sind keine unfertigen Erwachsenen, sondern Individuen, die die Welt auf ihre eigene Weise entdecken - man muss sie nur lassen: in ihren eigenen Vorstellungen, Konflikten, Bosheiten und Lüsten, ihrer eigenen Moral und eigenen Körpererfahrung.

Diese "Kindzentrierung“ ist uns im Alltag ganz selbstverständlich. Ohne Rousseaus "Émile oder über die Erziehung“ gäbe es sie freilich nicht. Man müsse, heißt es in dem 1762 erschienenen Buch, die "besonderen Anlagen des Kindes“ genau kennen, "um zu wissen, welche sittliche Lebensordnung ihm angemessen ist. Jeder Geist hat seine besondere Form, nach der er geleitet werden muss“ - und jede Kindheitsphase ebenso.

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