Stadtrand 

Wo die Toleranz keine Grenzen kennt

Urbanismuskolumne

Stadtleben | aus FALTER 26/12 vom 27.06.2012

Birgit Wittstock entdeckt in der Hundezone einen Hort des Alltagsrassismus

Innerhalb der Hundezone fallen Grenzen in Bezug auf Herkunft und Gesinnung schnell, und Generaldirektorswitwe sitzt mit der Hausmeisterin sich duzend auf dem Bankerl vereint, während der Dalmatiner der einen den Dackel der anderen zu besteigen versucht. Das allmorgendliche gemeinsame Bankdrücken hat die Gespräche vertraulich werden lassen - es spricht sich ja schließlich auch offener, wenn man sich unter Seinesgleichen, unter Hundemenschen, wähnt. Kürzlich hat die Frau Generaldirektor ihre Nichte erwähnt. "Ein Ausrutscher“ sei das Kind, hat sie sich beeilt zu sagen. Den fragenden Blicken der Hausmeisterin antwortet sie mit: "Na, eine Dunkle.“ Ihr Mann, sagt die Frau Generaldirektor, sei lange Zeit sehr böse gewesen mit dem Fräulein Tochter, aber zuletzt sprach man wieder. "Ein bisserl ein Rassist“ sei er nämlich gewesen, sagt sie und tätschelt dem Dalmatiner den Kopf. Aber was könne denn das Kind dafür, seufzt sie. Außerdem, "so putzig“ sei das Mädchen. Sie selbst, so sagt die Witwe, sei nämlich für alle offen. "Außer für die, die Tiere nicht mögen.“


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