Dilemma: Gebietsbetreuer als Eigentümer und Mieterschützer

Stadtleben | aus FALTER 26/12 vom 27.06.2012

 Darf die Stadt ein Unternehmen mit der Gebietsbetreuung beauftragen, das im Bezirk Häuser besitzt? Das Gesetz sagt ja, in der Praxis ist das ohnehin längst gang und gäbe. Was dabei nicht gesagt wird: Dadurch droht ein Interessenkonflikt, der zulasten der Mieter gehen kann. Denn als Hauseigentümer vertreten die Unternehmer Eigeninteressen, müssen aber als Gebietsbetreuer die Mieter rechtlich beraten. Im Zweifelsfall auch ihre eigenen.

Selbst wenn das Unternehmen korrekt handelt, bleibt ungeklärt, ob sich Mieter einer Gebietsbetreuung mit der Doppelrolle Eigentümer und Mieterberater überhaupt anvertrauen würden. Die Frage entzündete sich im Zuge der Zusammenlegung der Gebietsbetreuungen im 15. Bezirk. Und endete im Streit: Die alte Gebietsbetreuung wurde nicht weiterverlängert, den Zuschlag bekam eine Arbeitsgemeinschaft, die aus einem Architektenbüro und der Wohnbauvereinigung der Privatangestelltengewerkschaft (WBV-GPA) besteht.

Die WBV-GPA besitzt Häuser im 15. Bezirk, darunter auch den Kauerhof, der jahrelang zu den größten Problemhäusern der Stadt zählte. Über Jahrzehnte hinweg verfiel der Bau in der Diefenbachgasse, mehrmals wechselten die Eigentümer, die Bewohner mussten unter katastrophalen Wohnbedingungen leben. Was der WBV-GPA zugute gehalten wird: Erst als sie den Kauerhof kaufte, konnte der Bau saniert werden - 2009 gewann das Unternehmen für die Sanierung den Stadterneuerungspreis.

Dennoch verzeichnete die alte Gebietsbetreuung in den vergangenen beiden Jahren 47 Beratungsgespräche mit Mietern des Kauerhofs: Die Palette reichte von der Sanierung von Bauschäden über Mietzinsüberprüfungen bis hin zu Zahlungsforderungen aus Sanierungsarbeiten. Um all das muss sich jetzt die neue Gebietsbetreuung kümmern, in der die WBV-GPA sitzt.


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