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Ja, wir müssen

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 26/12 vom 27.06.2012

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter

Kann man zur Umweltzone ja sagen? Bringt sie nicht zu wenig? Ist sie nicht sozial ungerecht? Gäbe es nicht bessere Alternativen? Ab Freitag dieser Woche sind die Grazer zu einer Entscheidung darüber aufgefordert.

Zahlreiche Studien belegen: Auch wenn eine Umweltzone gegen den PM10-Feinstaub keine Wunder wirken kann, sie reduziert ihn jedenfalls messbar. Vor allem aber ist beim krebserregenden, ultrafeinen PM1-Staub ein Rückgang bis um die Hälfte machbar. In Österreich ist im Vergleich zu Deutschland insgesamt mehr zu holen, weil der Anteil der Dieselautos an der Kfz-Flotte viel höher ist.

Die Frage der (Un-)Gerechtigkeit hat leider etwas für sich. Wohlhabende können weiterhin in ihren SUV durch die Stadt brausen, Ärmere mit älteren Karossen müssen draußen bleiben. Allerdings kann die Politik Ausnahmen und Förderungen für sozial Schwache einführen. Nicht zu vergessen, dass zu den Ärmeren auch die zählen, die sich gar kein Auto leisten können. Den Dreck einatmen müssen sie auch. Und gesundheitlich am meisten leiden unter dem Feinstaub Ungeborene, Kinder und Alte: Ist das gerecht?

Zu den Alternativen: Anreize und gutes Zureden gibt es seit Jahren, es bringt nicht genug. Umstellung von Heizungen, Öffi-Ausbau: passiert ja. Klar ist: Jede Alternative müsste genauso harte Einschnitte bringen, von nichts kommt kein nennenswertes Feinstaubminus. Infrage kämen Citymaut, noch restriktivere Parkraumbewirtschaftung, Fahrverbote. Aber glaubt jemand, dass irgendetwas davon leichter durchzusetzen wäre?

Jetzt ist die Umweltzone entscheidungsreif, nichts anderes. Jetzt Nein zu sagen, würde bedeuten, dass auf Jahre hinaus wieder alles stillsteht.


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