Tiere

Regentage

Falters Zoo | aus FALTER 26/12 vom 27.06.2012

Peter Iwaniewicz sieht den Sommer kommen und denkt über Regentropfen nach

Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten! Das sagt sich natürlich leicht so dahin, aber tatsächlich gibt es viele fiese, trickreiche und vor allem unbeantwortbare Fragen. Nein, ich meine nicht jene nach dem Sinn des Lebens (Antwort: 42), sondern solche, die entweder die Nützlichkeit von bestimmten Tieren ("Wozu ist das gut?“) oder spezielle Details zu deren Lebensumständen ("Wie alt wird dieser Regenwurm?“) zum Inhalt haben.

Bei einer Naturführung wurde ich von einem Kind gefragt, was mit Insekten passiert, die von Regentropfen getroffen werden. Fies. Ich kannte keine Studie, die sich jemals mit diesem Problem beschäftigt hätte, und deswegen wurde eine Antwort von mir über lange Jahre erfolgreich prokrastiniert. Doch dieser Tage fand ich endlich Erlösung und ein Forschungsergebnis zur Frage "How Mosquitos Survive Raindrop Collisions“. Eine Teilantwort zumindest auf meine Frage, wie denn ein Kind auf so eine Frage kommt, fand ich bereits in einer Folge der Zeichentrickserie "Biene Maja“. Der Drohn "fauler Willi“ gerät im Flug in einen Regenguss und stürzt von einem Tropfen getroffen ab. Da man ja nicht alles glauben soll, was im Fernsehen gezeigt wird, frug dieses aufgeklärte Kind beim Experten nach.

Also: Es gibt keine dummen Fragen, nur lange Antwortzeiten. Da ein Regentropfen ca. 20 km/h schnell ist und ein Mehrfaches der Masse eines Insekts hat, sind solche Kollisionen bedrohlich. Größere Tiere wie Käfer und auch Bienen verkriechen sich unter Blättern oder Steinen. Die sehr leichten Stechmücken hingegen werden beim Fliegen von den Druckwellen der fallenden Tropfen einfach zur Seite geschoben. So weit, so gut, aber die Natur bietet mehr als schweren Schlagregen. Und die Situation wird bei Nieselregen schwieriger, weil dessen viel kleinere Topfen die Gelsen nicht mehr aus dem Weg räumen können.

Die Forscher bastelten also eine variabel regulierbare Regentropfenschussmaschine und bemühten zur Erklärung ihrer Beobachtungen Techniken der asiatischen Kampfkunst. Der Kraft des Angreifers wird nachgegeben, sodass sich die zerstörerische Wirkung eines Fausthiebs bzw. Regentropfeneinschlags nicht entfalten kann. Einfacher gesagt: Die Tiere lassen sich einfach ein Stück des Wegs mitreißen und befreien sich noch vor dem Aufschlag auf dem Boden. Cold Case gelöst!

zeichnung: püribauer.com


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