Design Kritik

Der Zauber von Becher und Schale

Lexikon | aus FALTER 26/12 vom 27.06.2012

Das Museum für angewandte Kunst (Mak) besinnt sich in "Dinge, schlicht und einfach“ auf die Qualitäten seiner Sammlung und widmet sich dem Thema gestalterischer Reduktion. In drei Kapiteln veranschaulicht die Ausstellung, in welch unterschiedlichen Zusammenhängen der Geist der edlen Einfalt die Form von Gebrauchsgegenständen und kunstgewerblichen Objekten bestimmt. Am Beispiel der Möbeltypen Stuhl und Tisch wird eine historische Reihe durchdekliniert, die von der demonstrativen Einfachheit der Biedermeierzeit über die luxuriöse Schlichtheit der Wiener Werkstätte bis zu dem 1990er-Jahre-Minimalismus eines Jasper Morrison reicht.

Diese Teeschalen, zerbrechlich und kostbar, vom Kosmos durchdrungen! Kein anderes Objekt ist so magisch aufgeladen wie die demonstrativ einfachen ostasiatischen Trinkgefäße. In den bis auf das 11. Jahrhundert zurückgehenden Schalen drückt sich eine moralisch vorbildliche Lebensführung aus, die das Ideal der chinesischen Beamtenschicht war. Das Begriffspaar "wabi-sabi“ deutet eine raffinierte, jedoch simple Schönheit an.

Ein dritter Schwerpunkt der aus einer Zusammenarbeit der unterschiedlichen Mak-Abteilungen entstandenen Ausstellung gilt den europäischen Gebrauchsgeräten. Neben den schnörkellosen Pfannenknechten und Rosten waren auch Vorratsgefäße wie Töpfe und Körbe platzschonend funktional gehalten, egal ob es sich um Küchen und Speicher Adeliger oder wohlhabender Bürger handelte. Hier lässt sich ein wiederkehrender Wechsel von reich verzierten und schlichten Objekten feststellen. Die Gestalter hatten dabei meist die ruhigen Silhouetten antiker Objekte im Kopf.

Endlich rückt die Sachkenntnis der Mak-Kuratoren ins Rampenlicht. An der etwas allzu einfachen Vermittlung des spannenden Inhalts könnte noch getüftelt werden. MD

Mak, bis 7.10.


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