Kritik

Moderne Märchen: Simon Starling & Superflex

Lexikon | aus FALTER 26/12 vom 27.06.2012

Der Künstler Simon Starling erzählt Märchen, deren Feen und Zauberer die Protagonisten der modernen Bewegung sind. "Simon Starling / Superflex“ widmet sich Figuren wie dem französischen Konstrukteur Jean Prouvé (1901-1984), der maßgebliche Beiträge im Bereich des Möbelbaus sowie für die Entwicklung moderner Konstruktionssysteme geleistet hat. Mitte der 1940er-Jahre begann sich Jean Prouvé mit Dachkonstruktionen für Industrie- und Fabrikgebäude zu befassen. Er entwickelte eine Konstruktionsmethode, mit der Tragstützen auf ein Minimum reduziert werden konnten. Simon Starling montierte ein Dachelement auf einen Lastkraftwagen und testete es in fahrendem Zustand, als ins Absurde gesteigerte Verfremdung des Symbols aerodynamischer Form und moderner Funktionalität. Neben diesem Auftragswerk sind in der TBA21 noch weitere Beispiele von Starlings Moderne-Erzählungen zu sehen, etwa seine Adaption einer Ausstellungsgestaltung von Lilly Reich.

Gemeinsam mit der dänischen Gruppe Superflex entwickelte Starling "Black Out“. Die Künstler rekonstruierten eine im Kriegsjahr 1942 von Poul Henningsen gestaltete Lampe, die das Licht so streut, dass es im Freien von feindlichen Flugzeugen nicht entdeckt wird. Superflex steuern für den gelungenen Einstand der TBA21 in dem ehemaligen Ambrosi-Museum "Cow“ bei. Im Zuge von Recherchen über den Künstler Gustinus Ambrosi, dem der Kunstraum ursprünglich gewidmet war, stießen die Superflexler auf die Skulptur "Jungfrau mit Kuh“, die für Hitlers Reichskanzlei gemacht wurde. Lebende Abkömmlinge der originalen Tiroler Modelle stehen nun im TBA21-Garten, als lebende Denkmäler der bizarren Geschichte des Ortes, der die für die Moderne so typische Ambivalenz zwischen Fortschritt und Reaktion widerspiegelt. MD

TBA21, bis 23.9.


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