Die Zukunft des Tanzes: Jennifer Lacey als Prophetin

Wolfgang Kralicek | aus FALTER 27/12 vom 04.07.2012

Auch in Zukunft werden die meisten Männer, die Röcke tragen, damit etwas sagen wollen. Auch in Zukunft wird es manche Menschen glücklich machen, frivole Schuhe zu tragen. Und auch in Zukunft wird man die heute aktuelle Haarmode ziemlich lächerlich finden.

Das zumindest behauptet die in Paris lebende US-Choreografin Jennifer Lacey im ersten Teil in ihrer Lecture-Performance "Gattica“. Sie sitzt an einem Tisch mit zwei Kerzen und ergeht sich in Prophezeiungen. Die Zukunft der Tanzperformance? Schwer zu sagen. Möglich, dass Tänzer dereinst Furcht und Schrecken verbreiten werden wie die Baader-Meinhof-Bande. Es könnte aber auch sein, dass Tanz wieder zu einem Minderheitenprogramm für Frauen wird.

Auf die Idee zu dem Solo, das sie dieses Jahr bei ImPulsTanz zeigt, kam Jennifer Lacey im Auftrag des Tanzquartiers. Intendantin Sigrid Gareis hatte im Herbst 2008 die zehntägige Reihe "(Precise) Woodstock of Thinking“ veranstaltet, für die Künstler und Theoretiker aufgerufen waren, sich Gedanken über die Zukunft der Performance zu machen. "Gattica“ war Laceys Beitrag, in modifizierter Form hat sie ihre Zukunfts-Performance jetzt wieder aufgenommen.

Im zweiten Teil tanzt sie mit geschlossenen Augen, danach spricht sie mit einem Gast im Stil eines Partytalks über das Thema, und am Ende wird auch noch das Publikum einbezogen. "In der Zukunft wird sich herausstellen, dass Langeweile eine Chance ist“, sagt Lacey unter anderem. Leider biete ihre ruhige, fesselnde Performance keine Anhaltspunkte dafür, dass das stimmen könnte, befand ein New Yorker Kritiker.

"In Zukunft werden einige von uns sterben“, prophezeit Jennifer Lecey. "Und dann alle anderen.“

Gattica: 30.7. und 3.8., 21.00, Schauspielhaus


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