Man soll seinen Augen nicht trauen

Premierenbericht: Christopher Wurmdobler | 04.07.2012

Das neue Stück von Wim Vandekeybus ist gewohnt spektakulär und überraschend analytisch geraten

Die Show beginnt mit rasender Trauer. Eine Frau beklagt wild schreiend den Tod ihrer Kinder, die unter Filzdecken vor ihr liegen. Plötzlich bricht sie ab, geht schimpfend ("so eine Scheiße!“) von der Bühne. Die Frau ist Schauspielerin und spielt sehr überzeugend eine Schauspielerin, die Kinder sind Tänzer und alles andere als tot. Die Filzdecken verweisen auf die deutsche Künstlerikone Joseph Beuys, für den Filz - neben Fett - ein wichtiges Ausdrucksmittel war.

All das erfahren wir wenig später, und am Ende von "booty Looting“ wird dann auch klar, dass das neueste Stück des belgischen Theater- und Filmemachers Wim Vandekeybus und seiner Compagnie Ultima Vez mit einem Zitat aus der Mythologie- und Filmgeschichte begonnen hat: Da gibt es dann noch mehr Medea-Material. Doch zuvor müssen andere Materialschlachten geschlagen werden.

Denn bis es so weit ist, müssen noch viele andere Geschichten

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