Film  Neu im Kino

Erwachsenwerden mit Punk: "Sons of Norway“

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 27/12 vom 04.07.2012

Norwegen im Jahr 1978. Nikolaj hat eine ungewöhnliche Familie: Frei nach Nietzsche wird zu Weihnachten statt eines konservativen Glaubens, der den Menschen als sündhaftes Wesen bestimmt, die Freiheit der Affen gefeiert. Dieser fühlt sich Nikolajs Vater Magnus näher und dekoriert und kocht ausschließlich mit Bananen. Ein Hippie-Vater kann nerven, vor allem, wenn man in die Pubertät kommt und von Punk fasziniert ist. Doch die Geborgenheit der Familie zerbricht mit dem plötzlichen Tod von Nikolajs geliebter Mutter: Magnus liegt depressiv im Bett, während sein Sohn sich mehr und mehr der "No Future“-Stimmung verbunden fühlt.

Jens Liens "Sons of Norway“ - nach dem autobiografischen Roman "Theory and Practice“ von Nikolaj Frobenius - wird als Komödie angekündigt. Besonders das Verhältnis von Vater und Sohn sorgt für Unterhaltung mit trockenem Humor: Ein Rebell zu sein ist schwer, wenn der eigene Vater voll Verständnis und Mitmachfreude ist.

Im Kern ist "Sons of Norway“ aber ein ernstes Werk über das Erwachsenwerden, über Erziehung und Trauerarbeit. Die authentische Atmosphäre rückt Nikolajs Sicht, die Stimmung der Pubertät, gelungen in den Mittelpunkt. Mit dem Tod der Mutter kommen Schock und Einsamkeit hinzu, die mit emotional aufgeladenen Einstellungen, unheimlichen Kamerawinkeln und Fantasien heraufbeschworen werden. In diesen Szenen, die an Tomas Alfredsons "So finster die Nacht“ erinnern, entfernt sich der Film gänzlich vom Bereich der Komödie.

Und Punk? Johnny Rotten von den Sex Pistols hat einen Gastauftritt; wirklich gut weg kommt Punk aber nicht, sympathischer wirkt da noch die Hippiekultur. Beide werden jedoch nur als Mittel genutzt, um diese kleine, nachdenkliche Familiengeschichte zu erzählen.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Schikaneder)


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