Vom "verpfuschten“ Leben: das Theater im Bahnhof bei der Regionale

Lexikon | Kritik: Hermannn Götz | aus FALTER 27/12 vom 04.07.2012

Mit ihrem Regionale-Beitrag "Friedhof der Eigenheime“ präsentiert sich das Theater im Bahnhof in Bestform - nicht zuletzt weil sich das Ensemble ganz auf das verlässt, was ihm schon öfter gelungen ist: die liebevolle Karikatur des alltäglichen Grauens.

Im kleinen Örtchen Frojach nahe Murau liegt eine - ökologisch verantwortungsvoll betriebene - Baustoffdeponie, die der umtriebige Besitzer Gernot Tilz der Regionale zur Mitnutzung anbot. Aus der Anschauung des fachgerecht deponierten Bauschutts entwickelte das Theater im Bahnhof unter der Regie von Helmut Köpping ein eigenes Stück. Im Zentrum der Arbeit steht nicht die Endlagerung von Asbest & Co, dem TiB geht es, wie stets, um die Menschen. Diesmal um jene, deren Leben sich sinnlos ans Eigenheim klammert, Häuslbauer, deren Wohnträume niemand weiterträumen will, "Scheidungshäuser“, mit denen in der Deponie auch die Illusion vom gemeinsamen Glück begraben wird.

Die im Wesentlichen aus Interviews mit Frojachern zusammengestellten Texte machen inmitten der Trümmer das Elend von Betonziegeln, Thujenhecken und Wüstenrotberatern greifbar, ohne die Zitierten bloßzustellen. Auch ihnen entlockt die Performance der TiB-Damen bei der Premiere immer wieder ein wissendes Lächeln. Vielleicht ist es die Größe der TiB-Künstlerinnen sich bei dem, was sie tun, nicht über die anderen zu stellen, die aus diesem wie immer perfekt inszenierten Potpourri aus Monologen, Gags, Gesängen und Gebeten über "verpfuschte“ Leben einen erstaunlichen Abend macht.

Frojach, Baustoffdeponie Fa. Brem, Fr, Sa, Do 19.00


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