Nachgetragen  Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Böse Tropfen: ein K.o.cktail zwischen Mythos und Wirklichkeit

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 27/12 vom 04.07.2012

Sie können sich nur noch daran erinnern, dass sie im Tanzlokal einen Schluck von ihrem Getränk genommen haben; danach: Filmriss. Von solchen Erfahrungen berichten Menschen, die zum Opfer von K.-o.-Tropfen geworden sind. Was während der dunklen Stunden passiert, bleibt zumeist unklar. Oft fehlt danach die Brieftasche; in nicht wenigen Fällen ist von sexuellem Missbrauch die Rede; urbane Mythen erzählen gar davon, dass manches Opfer ohne Nieren aufgewacht sei.

Diese Vermischung von Mythos und Wirklichkeit macht das Thema so kompliziert. Laut Wiener Polizei gab es in der Hauptstadt im Jahr 2010 42 Anzeigen wegen der Knockout-Tropfen, 2011 waren es 71.

Englische Wissenschaftler berichten, dass viele dieser Fälle aber nicht auf perfide Tropfen, sondern auf Alkoholmissbrauch ("Komasaufen“) zurückzuführen seien; vor allem bei Jugendlichen würde die Tropfengeschichte oft als Notlüge dienen, die Alkoholexzesse entschuldigen soll.

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hat nun jedenfalls eine Kampagne lanciert, die zeigt, dass man sich vor K.-o.-Tropfen in der Disco leicht schützen kann: Man solle einfach sein Getränk nicht unbeaufsichtigt lassen.


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