Mediaforschung Nachfragekolumne

Muss Wissenschaft für Frauen pink sein, Herr Jennings?

Medien | Ruth Eisenreich | aus FALTER 27/12 vom 04.07.2012

Im Charlie’s-Angels-Stil posieren die drei Frauen in High Heels und Minikleid, sie räkeln sich vor pinkfarbenen Hintergründen, verteilen Luftküsse, beißen lasziv in die Bügel ihrer Sonnenbrillen, ein Mann im Laborkittel schaut von seinem Mikroskop auf, einer Pipette entsteigt Dampf, ein Tropfen rosa Nagellack zerplatzt in Großaufnahme.

"Science: It’s a girl thing“ steht am Ende des schnell geschnittenen Clips, das "i“ in "Science“ bildet ein rosa Lippenstift. Darunter: das Logo der Europäischen Kommission. Die wollte mit dem Video eigentlich junge Frauen für Wissenschaft interessieren - doch die Reaktionen waren fast durchwegs negativ. Die Kommission reagierte schnell und zog den Spot zurück.

"Das Video war nur ein kleiner Teil der Kampagne“, erklärt Michael Jennings, Sprecher der zuständigen EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft. Ab Herbst soll es Veranstaltungen in diversen EU-Ländern geben; auf der Website science-girl-thing.eu finden sich Beschreibungen verschiedener "Dream jobs“, "Six reasons science needs you“, ein "Discover your inner researcher“-Quiz und Videoprofile von Wissenschaftlerinnen.

Entwickelt wurde die Kampagne - nicht aber der Spot - mithilfe von Gender- und Kommunikationsexperten und einer qualitativen Studie unter zwölf- bis 18-jährigen Mädchen. "In den Fokusgruppen haben die Mädchen gesagt, sie wollen etwas, was direkt auf sie zielt und Wissenschaft mit ihrem realen Leben verbindet“, erklärt Jennings die Entstehung des Videos.


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