Ohren auf  Sammelkritik: Zwei Doppelalben auf den Spuren des Miles Davis der 70er-Jahre

Wenn Miles Davis in Tokio in die Disco geht

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 27/12 vom 04.07.2012

Mit der Elektrifizierung seiner Band 1968 ff. wurde Miles Davis zur Speerspitze dessen, was als "Fusion“ beileibe nicht nur Segen über die Menschheit gebracht hat. War "Bitches Brew“ (1970) für Jazzverhältnisse noch ein Megaseller, stieß Miles’ Musik im Laufe der 70er zusehends auf Unverständnis.

Genau dieser Phase mit ihren epischen Stücken und ohne Unterbrechung durchgespielten Livekonzerten hatte der Trompeter Wadada Leo Smith gemeinsam mit dem Gitarristen Henry Kaiser schon auf dem Doppelalbum "Yo Miles!“ (1998) gehuldigt, und auch auf der Doppel-CD "Heart’s Reflections“ (Cuneiform Records) ist Davis’ Einfluss spürbar. Wadada Leo Smith’s Organic besteht aus 14 Musikern (vier davon Gitarristen) die freilich selten alle zugleich loslegen, sondern in den suitenartigen Stücken in kleinere Ensembles zerlegt werden. Wie schon Davis in der bewussten Zeit arbeitet auch Smith mit extremen Kontrasten von hitziger Verdichtung und minimalistischer Entspanntheit. Als ehemaliges


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige