Nüchtern betrachtet

Früher hat man sich noch mehr erschossen

Feuilleton | aus FALTER 27/12 vom 04.07.2012

Eine Zeitlang gab es verstärkte Anstrengungen, den Wohlfühlfaktor dadurch anzuheben, dass man Substantiven oder hauptwörtlich gebrauchten Verben das Wort "-kultur“ hinzufügte. Man kann diese Art von Edelsprech, die uns zum Beispiel die "Streitkultur“ und die "Trinkkultur“ beschert haben, so wie auch die Sprachregelungen der political correctness als hilflose Versuche beschmunzeln, Machtverhältnisse und andere als unschön empfundene Zusammenhänge dadurch aus der Welt zu schaffen, indem man schöner über sie spricht. Man sollte Skepsis aber Skepsis sein und nicht zur wohlfeilen und womöglich noch als "illusionslos“ deklarierten Weltanschauung verkommen lassen, dass eh alles ein Schas ist.

"Rücktrittskultur“ zum Beispiel mag ein blöder Begriff sein, inhaltsleer aber ist er nicht. In Zeiten, in denen das Wort "Unschuldsvermutung“ noch nicht in jedem zweiten Zeitungsartikel vorkam, gab es so etwas sogar in Österreich. Der ehemalige Verteidigungsminister Karl Lütgendorf,


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