Stadtrand Urbanismuskolumne

Kindern ist im Hof das Atmen verboten!

Stadtleben | aus FALTER 27/12 vom 04.07.2012

Das Glück einer Stadtkindheit hängt vom Wohnort ab. Davon, ob es nur ein paar Stockwerke sind, die einen von seinem Spielplatz trennen, ein paar Häuserblocks oder sogar Busstationen. Oder aber, ob ein eigener Garten vor der Haustür wartet. Zwar können sich Kinder aus der ödesten Betonwüste einen Abenteuerspielplatz zaubern. Trotzdem spielt es sich auf Wiese und Bäumen besser als in den Käfigen zwischen stark befahrenen Straßen. Auch die Kriegsverletzungen sind andere: die Gartenprivilegierten tragen lediglich Gatsch- und Grasflecken davon, die anderen Schotterausschlag und Glassplitter.

Während in Döbling, Hietzing und Penzing in Privatgärten herumgekaspert wird, stehen die Kids in den Arbeiterbezirken Meidling, Ottakring und Favoriten alle Schritt weit erneut vor Schildern, die ihnen untersagen, die abgegrenzten Rasenfleckchen zu betreten. Fußballspielen ist sowieso verboten, Radfahren auch - an Haustiere gar nicht zu denken. Und sollte im Hof aus Versehen einmal zu laut geatmet werden, werden die Grätzel-Sheriffs gerufen, um auch das zu verbieten.


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