Göttliche Gastgärten

Stadtleben | Gartenschau: K. Nüchtern (Text),B. Wittstock (Auswahl) | aus FALTER 27/12 vom 04.07.2012

Der Gastgarten ist dazu da, die Erinnerung ans Paradies wachzuhalten. Wie man ihn erkennt, wo man ihn findet und wozu man ihn verwendet

Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Morgen und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte.“

Man braucht kein mit allen Wässerchen der Exegese gewaschener Theologe zu sein, um den Sinn dieser Stelle aus dem ersten Buch Mose zu entschlüsseln: Gott will, dass wir in Gärten sitzen. Wegen unerlaubten Obstverzehrs steht uns der Garten aller Gärten aber leider nicht mehr zur Verfügung. Zugleich ist es aufgrund des exponentialen Bevölkerungswachstums (ein Kollateralschaden des Sündenfalls) nicht möglich, dass jeder sein eigenes Gärtlein bestellt. Und weil die Verschrebergartenisierung der Großstadt weder machbar noch wünschenswert ist, hat der post-unschuldige Mensch den Gastgarten ersonnen.

Im Gastgarten hat die Erinnerung ans Paradies ihren Platz im Dickicht der Städte gefunden. Hier verschränkt sich Sakrales und Säkulares,


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