EM-Tagebuch Ballnotizen

Die Wahrheit liegt außerhalb der Kamera

Stadtleben | aus FALTER 27/12 vom 04.07.2012

Michel Platini war ein wunderbarer Fußballer mit einem Hang zur Selbstüberschätzung, der sich zu einem Uefa-Präsidenten mit ebensolchem Hang entwickelt hat, so wie es Menschen passiert, die unter einer Überdosis medialer Aufmerksamkeit leiden. Über Bedenken gegen den Euro-Austragungsort Ukraine setzte er sich hinweg und lobte die Veranstalter in den höchsten Tönen. Nichts passiert: keine Kundgebungen der geschundenen Opposition, nur ein paar Fanhorden, die mit Fäusten und rassistischen Parolen um sich werfen. Bestraft wurden die Nationalverbände, das ist Platinis Hoheitsgebiet. Die Medien haben brav kooperiert, wie immer. Die Uefa hat Kohle und Image im Trockenen. Wäre noch das Problem mit der Wahrheit am Platz: Die Öffentlichkeit und Fifa-Präsident Blatter fordern Torkameras. Aber Platini lehnt Eingriffe von außen in den heiklen Mechanismus eines Fußballspiels ab. Und da hat der alte Profi mit dem wachen Instinkt für die Unversehrtheit des Fußballs völlig Recht. Finger weg von Videobeweisen, Torkameras oder Computerüberwachung!


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