Fragen Sie Frau Andrea

Hallo, du, geht’s grad?

Kolumnen | aus FALTER 27/12 vom 04.07.2012

Liebe Frau Andrea,

seit es Handys gibt, hat sich das Telefonierverhalten von Bekannten wie Unbekannten radikal verändert. Leute rufen an, sagen "Hallo“ und dann gleich darauf "Geht’s grad?“. Mich macht das wahnsinnig, klar geht’s, sonst hätte ich doch gar nicht abgehoben. Wie kann man das abstellen?

Karin Koller, per Bernsteinfunkennachricht

Liebe Karin,

fangen wir mit der radikalen Empfehlung an: Vermeiden Sie den Besitz eines Handys. Niemand wird Sie anrufen, ungeahnte Gefühle der Unabhängigkeit, Unbelästigtheit, ja Erleuchtungen von Freiheit werden sich einstellen. Wie sich das anfühlt, können Sie, auch ohne Aufgabe der Mobiltelefonie ausprobieren, sobald sich das Gerät in Reparatur befindet. Auch gezieltes und ungezieltes "Vergessen“, akzidentielles "Verlieren“ des Apparates, das absichtliche Nichteinzahlen von Rechnungen oder das Einführen eines handylosen Tages vulgo Kommunikationsschabbes sind probate Mittel der Verweigerung. Andere Prioritäten verfolgt die Strategie, nur anzurufen, aber nie abzuheben. Die dafür notwendigen Persönlichkeitsveränderungen können auch in anderen Zusammenhängen von Vorteil sein.

Wenn Ihnen das bisher Vorgeschlagene zu hart erscheint, Sie möglicherweise verpartnert, vereltert oder sonst wie zu familiärer oder beruflicher Erreichbarkeit verdammt sind, empfiehlt sich selektives beziehungsweise generalpräventives Vorgehen. Bitten Sie Anrufende, in Zukunft nicht mehr oder nur in Notfällen anzurufen, fordern sie eine SMS mit Zusammenfassung des Begehrs statt des Anrufs. Rufen Sie dann nicht zurück. Seien Sie extrem unfreundlich, sobald Sie angerufen werden. Antworten Sie auch bekannten Anrufern stets mit einem vorwurfsvollen "Wer spricht?“, einem grantig-genervten "Bundeskommunikationssenat Wien“ oder mit einem in slowmo gehauchten "Sekretariat Hahn“. Auf die von Ihnen als störend wahrgenommene Frage "Geht’s grad?” mögen folgende Antworten hilfreich sein: "Geht, aber die Geräusche kommen aus der Nachbarkabine“, "Du störst nie, aber ich bin grad im Burgtheater und weiß nicht, wie man abstellt, dass alle mithören.“

Profis, auch das möchte nicht verschwiegen werden, haben eine geschulte und hochbezahlte Entourage, die Anrufe entgegennimmt.


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