Tiere

Zur Hölle!

Falters Zoo | aus FALTER 27/12 vom 04.07.2012

So, da wären sie endlich, die beiden frohlockenden Ferienmonate! Der normale Arbeitsbetrieb kommt zum Erliegen, die Gehgeschwindigkeit sinkt, und über allen Gipfeln ist Ruh. Goethe dachte das auch und übernachtete, um der "unverbesserlichen Verworrenheit der Menschen auszuweichen“, nach einer sommerlichen Wanderung in einer Jagdaufseherhütte bei Ilmenau. Am nächsten Tag schrieb er dort an eine Holzwand sein berühmtes Gedicht "Wanderers Nachtlied“, das mit folgenden, später viel parodierten Zeilen endet: "Die Vögelein schweigen im Walde / Warte nur, balde ruhest du auch.“

Seufz.

Keine Ruhe hingegen findet Diözesanbischof Klaus Küng. Er habe zwar nichts gegen Rockkonzerte, ließ er die Presse wissen, aber! Das "Extremefestival“ in St. Pölten sei doch zu viel des Bösen. Und zu viel an "aggressiv-okkulten Bandnamen, Blut- und Gewaltanspielungen und verstörenden Bildern“. Tatsächlich traten dort Bands auf, die - igitt - "Destroyer 666“ oder - doppelgitti - "All Shall Perish“ hießen. Irgendwo muss doch auch mal Schluss sein!

Folgt man als munterer Web-Wandersmann der bischöflichen Spur des Guten, dann landet man bei der "Gesellschaft für Tradition, Familie und Privateigentum“, die zum Protest gegen diesen "erniedrigenden Event“ aufrief. Und diese Glaubensgemeinschaft ist wirklich hardcore! Auf tfp.at finden sich Exkurse zur Krise unserer Gesellschaft, die "ihre Wurzeln in Humanismus, Renaissance, der sogenannten Reformation und der Französischen Revolution“ hat, Lobpreisungen des "Adels und vergleichbarer Eliten“ und ein Aufruf zur "Wiederherstellung einer christlichen Zivilisation“. Wow, im Vergleich dazu wirken islamistische Fundamentalisten bestenfalls wie renitente Ministranten.

Aber vielleicht sind wir uns einfach nicht bewusst, wo überall der Teufel zu Hause ist. In Gestalt einer Ziege, der Kuh für Menschen mit wenig Privateigentum, streckt er uns sein geiles Haupt heutzutage aus dem Supermarktregal in der gottlosen Form von Ziegenkäse entgegen! In Deutschland hat sich die Zahl der Ziegen seit 1980 fast verfünffacht. Nur der Franzose ist noch gottloser: Er verspeist höllische sechs Kilo Ziegenkäse im Jahr. Der Österreicher kann mit seinen 50 Gramm pro Kopf und Jahr durch ein bisschen Fegefeuer sicher noch gerettet werden. Ein ewiges Vergelt’s Gott und himmlische Ruhe in St. Pölten!

zeichnung: püribauer.com


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