O holde Schmierenkunst!

Kino am Dach | Michael Pekler | aus FALTER 28/12 vom 11.07.2012

In den Meisterwerken der Filmkomödie gehen Schauspieler an die Grenzen des guten Geschmacks: Wenn sie Peter Sellers heißen oder falsche Nazis spielen auch darüber hinaus

Wenn Schauspieler im Film Schauspieler spielen, kann es passieren, dass Adolf Hitler durch die Straßen Warschaus spaziert. Unglücklich über seine buchstäblich nichtssagende Rolle hat sich der Mann unters polnische Volk begeben, um sein Kostüm auszuprobieren. Die Verwunderung ist entsprechend groß, bis ein kleines Mädchen die Maskerade durchschaut und nicht den Führer, sondern den Schauspieler um ein Autogramm bittet.

Ernst Lubitschs sarkastische Komödie "Sein oder Nichtsein“ (1942) ist ein Verwirrspiel, in dem die Verkleidungskünste einer Theatertruppe dem polnischen Widerstand bei dessen Kampf gegen die Gestapo gute Dienste leisten. Doch Lubitsch macht sich in seinem Klassiker nicht nur über hohlköpfige Nazi-Schergen lustig, die sich wie Schmierenkomödianten hinter ihren Uniformen verstecken. "Sein oder Nichtsein“ ist vor allem eine Hommage an die Kunst der Schauspieler, die sich mit Witz, Respektlosigkeit und ihren eigenen Waffen der Übermacht stellen. Denn beim Verschwinden hinter falschen Identitäten und dem damit einhergehenden politischen Versteckspiel kommt nämlich vor allem eines zum Vorschein: der Wunsch der Darsteller, um ihrer selbst willen geliebt zu werden.

Das gilt auch für Peter Sellers in Blake Edwards’ "Der Partyschreck“ (1968), der als indischer Komparse Hrundi V. Bakhsi und als ungebetener Gast das Haus eines Hollywoodproduzenten in Trümmer legt. Doch das ganze Slapstick-Feuerwerk, das der Unglücksrabe entzündet, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass er als armer Filmstatist in Wahrheit nichts zu verlieren hat: "Nothing to Lose“, wie auch Claudine Longet als Starlet in ihrem wunderschönen Lied von Henry Mancini singt.


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