Schrecklich schön

Kino am Dach | Michael Pekler | aus FALTER 28/12 vom 11.07.2012

US-Filmemacher Wes Anderson ist Spezialist für bizarre Familienbiotope

Das Großartige an den Filmen von Wes Anderson ist, dass man als Zuschauer einerseits liebend gern Teil jener skurrilen Familie wäre, die einem der US-Regisseur regelmäßig vor Augen führt, man sich andererseits aber nichts Schrecklicheres vorstellen kann.

Wem es also nach Andersons jüngstem Spielfilm "Moonrise Kingdom“ Leid tut, nie Pfadfinder gewesen zu sein, der kann hier noch zwei Mal in ein bizarres Familienbiotop eintauchen: In "The Royal Tenenbaums“ (2001) versammeln sich rund um Gene Hackman diverse Angehörige des Tenenbaum-Clans, um Leiden, Sehnsüchte und am Ende zu sich selbst zu finden.

Ähnliches gilt für den nicht minder wunderbaren "Rushmore“ (1998), in dem Jason Schwartzman sich an einer Eliteschule in seine Lehrerin verliebt. Wie ein buntes Drehkarussell, das man betritt und von dem man nicht mehr absteigen kann, nehmen einen die Filme Andersons mit: Filme wie Reisen, die das Märchenhaft-Fantastische mit der Tragik der Wirklichkeit kurzschließen.


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