Kunst  Kritik

Vogelkot und Einschusslöcher

Woche | aus FALTER 28/12 vom 11.07.2012

Beatpoet William S. Burroughs hat ein Werk hinterlassen, das in seiner Wirkung weit über die Literatur hinausreicht. Wie einflussreich seine Arbeiten waren, zeigt etwa, dass sich von Soft Machine bis Naked Lunch zahlreiche Rockbands nach seinen Werken benannten. Wie weit sein Kunstanspruch reichte, ja, wie sehr er sein Leben zu einem poetischen Akt machte, zeigt die von Colin Fallows und Synne Genzmer kuratierte Ausstellung "Cut-ups, Cut-ins, Cut-outs“, die das Schaffen des 1997 im Alter von 83 Jahren verstorbenen Burroughs in seinen Facetten sicht- und hörbar macht.

Verstörend schallen Tonaufnahmen - manche davon im Studio von Paul McCartney aufgenommen -, die mit einer beschaulichen Dichterlesung rein gar nichts gemein haben, durch die Ausstellungsräume. Ein Raum zeigt Shotgun-Paintings, für die der Waffennarr auf Farbdosen, Zeichnungen oder auch Türen schoss: "Farbe, Vogelkotspuren und Einschüsse auf Holztür“, steht in der Materialangabe eines Exponats. Breiten Raum nehmen natürlich die Cut-ups ein. Der Methode seines Gefährten Brion Gysin folgend, fertigte Burroughs über Jahrzehnte hinweg mit Akribie Collagen an, die auf seine literarischen Werke verwiesen, sich aber auch mit der Sprache und Funktion der Medien beschäftigten. Und dann ging es ihm natürlich noch um Bewusstseinserweiterung, so ist ein quasi-wissenschaftlicher Journalbeitrag des zeitweise Heroin- und Opiumsüchtigen mit dem Titel "Letters from a Master Addict to Dangerous Drugs“ ausgestellt. Zahlreiche Fotos, Zeitschriftenartikel sowie durchgeknallte Burroughs-Filme runden die Schau ab.

Gesamteindruck: Der Mann hatte noch eine Mission. Auf Fotos pflegte er stets ernst bis finster dreinzublicken. Wer genau schaut, findet aber auch einen privaten Schnappschuss mit dem lachenden Meister. SF

Kunsthalle Wien, bis 21.10.


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