Musik  Tipp Pop

Girl-Power, Punk und minimalistischer Funk

Woche | aus FALTER 28/12 vom 11.07.2012

Platz eins in der Hitliste der kommerziell erfolglos gebliebenen besten Bands der Rockgeschichte ist The Velvet Underground für alle Zeiten gewiss. ESG und The Slits sind da auch vorne mit dabei, anders als The Velvet Underground sind sie aber bis heute ein Stück Geheimwissen geblieben. Geliebt von Nerds, gewürdigt von Kritikern, aber eben: praktisch unbekannt. Beide Bands entstanden unter dem Eindruck der großen Punkexplosion, haben aber nie klassischen Punkrock gespielt, und beide Bands wurden von jungen Frauen geprägt.

The Slits haben sich zeitgleich mit The Clash in London gegründet, mit denen sie auch befreundet waren. Wie The Clash hatten auch The Slits ein Reggae-Faible, das sich aber experimenteller als bei den Punksuperstars äußerte: Der Dubreggae und Punk verbindende Sound des 1979 erschienenen ersten Slits-Albums "Cut“ ist bis heute unerreicht. Was den Londonerinnen der Reggae war, war für die New Yorker Schwesternband ESG der Funk: Minimalistisch und hochkonzentriert gespielt, prägte ihre Musik die US-No-Wave-Szene der beginnenden Achtziger und lieferte der aufkommenden Hip-Hop-Kultur Samplestoff. Seit 2005 gibt es eine formidable argentinische Mädchenband namens Las Kellies. Obwohl ihre Rückgriffe auf den Sound des Postpunk bestens in die retroverliebte Popkultur der Nullerjahre gepasst hätte, teilen sie bislang das ESG- und The-Slits-Schicksal als ewiger Geheimtipp. Die drei Bands verbindet auch ästhetisch so einiges: Las Kellies sind unverfroren und anarchisch wie The Slits, ihre reduzierten Rhythmen und die musikalische Schärfe wiederum erinnern stark an ESG, die sie auf ihrem aktuellen Album auch äußerst schnittig covern. Gemischt hat das Album übrigens Dennis Bovell, der einst schon den Slits zu Diensten war. So schließen sich die Kreise. gs

Fluc, Fr 22.00


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