Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Unbeugsam

Falter & Meinung | aus FALTER 28/12 vom 11.07.2012

Am 12. Juli 1992 wurde der Philosoph Günther Anders, geboren als Günther Stern in Breslau, 90 Jahre alt. Gerhard Oberschlick, damals noch Herausgeber der Zeitschrift FORVM (in der Printversion eingestellt 1995), übernahm ab 1992 die Betreuung des Nachlasses von Anders. Der technik- und medienkritische Philosoph starb im Dezember 1992.

In Falter 28/92 erzählte Oberschlick kurz die Biografie von Anders, der 1950 nach Wien kam, aber nie mit der hiesigen Universität etwas zu tun hatte. Dort gaben Menschen den Ton an, die ihn auch vor 1945 angegeben hatten, und in die DDR, wo ihm Ernst Bloch einen Lehrstuhl zu vermitteln versuchte, wollte Anders nicht.

Das Nicht-Mitmachen war seine Spezialität, so kündigte er die Mitarbeit beim Merkur, weil er nicht in einer Zeitschrift mit Ernst Jünger publizieren wollte, und bei der Zeit, "weil sie ja jetzt ohnehin einen anderen ständigen Mitarbeiter (Nenning) in Österreich hat“.

Oberschlick erzählt auch, wie er Anders überredete, doch noch einmal auf eine Umfrage der Zeit, was er von einem vereinten Deutschland erwarte, zu antworten.

Oberschlick: "Darauf antworte ich nicht, sagte er. Aber warum?, fragte ich. Ich bin, erklärte mir Anders, im Jahre 1933 der deutschen Staatsbürgerschaft beraubt worden, weil ich in Paris offen vor der Gefahr Hitlers gewarnt hatte. Seither haben nur diese Sudetendeutschen versucht, mich - weil in Breslau geboren - als einen der Ihren in Anspruch zu nehmen, indem ausgerechnet sie mich (mit dem Gryphiuspreis, dotiert mit DM 20.000,-, Anm. G.O.) ehren wollten; ich habe natürlich, wie du weißt, abgelehnt. Seit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches haben weder die Bundesrepublik noch die DDR es der Mühe wert gefunden, mir zurückzustellen, was mir Hitler genommen hat.“ Er komme ganz gut ohne deutsche Staatsbürgerschaft aus und erwarte sich vom Ganzen "kaum etwas Besseres als von den Teilen“. Das könne er der Zeit doch schreiben, meinte Oberschlick. Anders stimmte zu, aber "nur bis, Was Hitler mir genommen hat‘“. aT


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