Meinesgleichen Erfreulich: Die neue Süddeutsche bleibt die alte

Falter & Meinung | aus FALTER 28/12 vom 11.07.2012

Es gibt im Medienbetrieb noch Dinge, über die man sich freuen kann. Zum Beispiel die neue Gestaltung der Süddeutschen Zeitung. Man kann sie geradezu als den Idealfall einer Neugestaltung bezeichen, weil sie nichts auf den Kopf stellt und doch alles erneuert. Die Redaktion und die Gestalter sind, wie in solchen Fällen einzig möglich, aber leider unüblich, vom Inhalt der Zeitung ausgegangen, vom Journalismus. Im Fall der Süddeutschen ist das der beste, den man im deutschen Sprachraum haben kann. Die Zeitung versteht sich als Manifestation des qualitativen Journalismus, sie will, in den Worten ihres Chefredakteurs Kurt Kister, mehr sein "als nur ein Medium zur Verbreitung von, Content‘“.

Eine Zeitung ist ein gemeinschaftliches Werk. Ohne Redaktion keine Zeitung. Gemeinsam habe die Redaktion das Blatt nach eingerissenen Unarten und Schlampereien durchforstet, auch die Leserschaft habe man befragt. Danach habe man auf die Hilfe von Design-Gurus verzichtet und Wert darauf gelegt, mit typografischen und gestalterischen Mitteln Klarheit und Übersicht zu schaffen, ohne den Charakter des Blattes zu verändern. Ich gebe zu, als ich die Nachricht von der Neugestaltung hörte, wurde mir bange. Als ich vergangenen Montag das Ergebnis sah, entspannte ich mich. Selten eine so geglückte Zeitungsreform gesehen - ein Minimum an notwendigen Neuerungen vermittelt ein Maximum an dezenter neuer Frische. Chapeau. Und beste Wünsche für eine lange Zukunft dieser Zeitung. F


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