Kommentar Politischer Stil

Der Nationalrat verkennt den Wert der politischen Rede

Falter & Meinung | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 28/12 vom 11.07.2012

Vergangene Woche trat der ehemalige grüne Parteichef Alexander Van der Bellen ans Pult, es war seine letzte Rede als Parlamentarier. Er zog Bilanz: über die Getriebenheit in der Politik; über Medien, die zu jedem Thema sofort eine Meinung verlangen; über den Drill, keine Fragen mehr zu beantworten, sondern nur noch Botschaften auszusenden.

Van der Bellen sprach 18:52 Minuten, am Ende stand selbst Heinz-Christian Strache auf und klatschte. Es war die Rede eines Parlamentariers, der offen über eigene Fehler sprach und die Arbeit politischer Gegner wertschätzte. Van der Bellen sprach in Grautönen, fern von Klubzwang, ehrlich, emotional, durchdacht, anders. Solche Reden sind selten geworden.

Seit 2007 wird in Deutschland die beste politische Rede ausgezeichnet, der Preis ging bislang an Politiker wie SPD-Chef Sigmar Gabriel oder den ehemaligen Umweltminister Norbert Röttgen (CDU). Im März sollte die Auszeichnung zum ersten Mal in Österreich vergeben werden. Doch die Jury kam zum Schluss,


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