Am Apparat Telefonkolumne

Ist Saudi-Arabien ein guter Partner, Herr Patzelt?

Politik | aus FALTER 28/12 vom 11.07.2012

Der Nationalrat hat letzte Woche mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und BZÖ ein Abkommen zur Errichtung des von Saudi-Arabien gesponserten "König Abdullah Zentrums für interreligiösen und interkulturellen Dialog“ genehmigt. Im November soll das Zentrum seine Arbeit aufnehmen. Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International Österreich, findet die Kooperation "irritierend“.

Herr Patzelt, ist interreligiöser und interkultureller Dialog nicht zu begrüßen?

Österreich ist als multikulturelles und multireligiöses Land gut beraten, hier etwas zu tun. Aber es ist nicht nachvollziehbar, dass Österreich dabei mit einem Staat kooperiert, der die Religionsfreiheit missachtet und dessen Machthaber eine katastrophale Menschenrechtssituation ganz stark religiös begründen.

Wie sieht diese Menschenrechtssituation aus?

Der Umgang mit Frauenrechten ist katastrophal. Ich darf als Frau dort nicht einmal ein Auto lenken - Autofahren ist nicht der Kern aller menschenrechtlichen Selbstverwirklichung, aber da zeigt sich das Spannungsverhältnis zu Österreich, wo Autofahren selbstverständlich ist. Saudi-Arabien wendet Folter an und ist bei der Todesstrafe immer unter den Hardcore-Staaten. Allein 2011 wurden dort mehr als 80 Menschen hingerichtet.

Und die Religionsfreiheit?

Es ist ausschließlich eine bestimmte, fundamentalistische Form des Islam zugelassen, der Wahhabismus. Die öffentliche Ausübung oder auch nur das öffentliche Bekenntnis zu einer anderen Ausrichtung ist schlichtweg unmöglich und lebensgefährdend.

Was haben die beiden Länder von der Kooperation?

Saudi-Arabien will seine Vorstellungen exportieren. Aber ich weiß nicht, was Österreich gewinnen will, wenn man dieses Verständnis von Religionsfreiheit hierherholt. Es bleibt eigentlich nur das Motiv Geld übrig. Das wäre allerdings der schlechteste Grund. Anruf: Ruth Eisenreich


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