Mediaforschung Nachfragekolumne

Herr Schaberl, warum zeigen Sie uns verbrannte Körper?

Medien | aus FALTER 28/12 vom 11.07.2012

Er brennt, er juckt und - natürlich - Krebs erregt er auch: der Sonnenbrand, schön ist anders. So auch die neuen Sujets für den "Summer of Fashion“ im Museumsquartier. Halb nackte, junge Menschen mit roter, verbrannter Haut sind darauf zu sehen - nur dort, wo eigentlich Kleidung wäre, sind die Körper winterweiß. Schön? Nicht auf den ersten Blick.

Wie der Modesommer im MQ löst sich auch die für ihn entworfene Werbung von Kommerzästhetik. Hat Werbung für Kunst also einen höheren künstlerischen Anspruch fernab der in konventioneller Werbung propagierten Ideale?

Oder muss Werbung für Kunst gar selbst Kunst sein? "Die Grenzen zwischen Werbung und Kunst können verschwimmen, wenn der Kunde Mut hat und der Agentur vertraut“, sagt Sascha Schaberl, Art-Direktor der Agentur Büro X.

Die Sommerkampagne vom MQ ist nicht bunt, nicht schrill, vielleicht sogar grauslich. Man muss sich über diese Werbung Gedanken machen, um zu erkennen, was sie aussagen soll: Der Sonnenbrand ist die Klammer über Sommer und Mode, die im MQ durch Ausstellungen, Film und Modeschauen in ihrer ganzen Bandbreite beleuchtet werden soll.

Möchte man Nietzsche glauben, haben wir die Kunst, um nicht an der Wahrheit zugrunde zu gehen. Die Werbung ist der große Gaukler des Kapitalismus. "Werbung kann Kunst sein, auch wenn sie nicht immer diesen Anspruch hat“, sagt Schaberl. Wenn doch, ist vielleicht sogar ein Sonnenbrand ansehnlich. Schön. Katharina Mittelstaedt


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