Buch der Stunde

Berliner Sachlich- vs. Wiener Wurschtigkeit

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 28/12 vom 11.07.2012

Als zivilisationstheoretischer Topos hat der Städtevergleich zwischen Wien und Berlin bis heute überlebt, Anton Kuh (1890-1941) aber, der wie so viele Wiener Intellektuelle in den 1920ern nach Berlin zog, um dort "unter Wienern statt in Wien unter Kremsern zu leben“, war ein Virtuose dieser Stadtkomparatistik. Eine von 1918 bis 1940 reichende Auswahl an Feuilletons, in denen sich Kuh den Wiener und Berliner Zuständen widmet, hat Herausgeber Walter Schübler in einem sorgfältig edierten und knapp, aber kompetent kommentierten Sammelband kompiliert.

"Jetzt können wir schlafen gehen! Zwischen Wien und Berlin“ widerlegt das hartnäckig sich haltende und nicht zuletzt von Krausianern aller Epochen affirmierte Klischee vom schlampigen Kaffeehausliteraten aufs Überzeugendste. Stattdessen: ein hellwacher Zeitgenosse mit verlässlichen Instinkten. Dabei wollte Kuh, der die "Legende vom süssen Mädel“ in einem brillanten Feuilleton von 1931 mit großem soziologischem Scharfblick zerlegt


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