Nüchtern betrachtet

Die Effemmvierisierung der Welt ist abzulehnen

Feuilleton | aus FALTER 28/12 vom 11.07.2012

Vermutlich, weil Fernsehen während des Essens in meiner Kindheit strikt verpönt war, liebe ich es, beim Essen fernzusehen. Wer das unkultiviert findet, mag es andersrum sehen: Ich esse gern beim Fernsehen. Hörbücher kommen in meiner Welt nicht vor, weil ich beim Bügeln eher Freejazz auflege, und Radio höre ich nur, wenn ich in der Küche was zu schaffen habe. Ich hoffe dann, dass auf Ö1 eine Wortsendung ohne Geräuschbegleitung mit Kunstanspruch kommt, und wenn mir die Musik gar arg widerstrebt (Oper mit Gesang), versuche ich es manchmal sogar mit FM4. Das klappt allerdings so gut wie nie, denn auf FM4 läuft meist irgendwas Anlassiges mit pumpenden Beats, und dazwischen wird man von Zwitscherdohlen geduzt, die einen mit ihren Meinungen behelligen; zum Beispiel der, dass ihnen Tom Cruise voll am Arsch vorbeigeht.

Abgesehen einmal davon, dass Tom-Cruise-Dissing in etwa so originell ist wie Tibet-Gutfinderei oder die Ablehnung von Atomkatastrophen, frage ich mich, wie Tom Cruise dazukommt.


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