Vom Muskelkrampf bis hin zum Hitzekollaps: Wie der Körper reagiert

Stadtleben | aus FALTER 28/12 vom 11.07.2012

"Ab 28 Grad Celsius schaltet das Hirn auf eine Art Sparbetrieb. Unsere Konzentrationsfähigkeit sinkt dann deutlich“, weiß Dieter Sebald, ärztlicher Leiter der Wiener Rettung. Bei Temperaturen wie vergangene Woche verzeichnen die Rettungskräfte zehn Prozent mehr Notrufe.

Am häufigsten kommt es zum Hitzekollaps: Der Körper versucht durch Schwitzen, die Wärme nach außen abzugeben. Aber weil die Außentemperatur zu hoch ist, funktioniert das nicht. Der Körper erweitert die Blutgefäße, um Wärme abzustoßen. "Das Blut rauscht Richtung Erdgeschoß, im Hirn kommt es zur Blutleere, der Mensch kollabiert“, sagt Mediziner Sebald.

Das zweitgrößte Problem ist der Salz- und Flüssigkeitsverlust. Beim Schwitzen werden auch Elektrolyte ausgeschüttet, die der Mensch für seinen Stoffwechsel benötigt. In Hitzephasen kommt es vermehrt zu Muskelkrämpfen, weil dem Körper Mineralstoffe wie Magnesium oder Calcium fehlen. Auch gesunde Menschen leiden in der extremen Hitze, weil sie diese hierzulande nicht gewohnt sind. Studien zeigen nämlich, dass Menschen in heißeren Gebieten weniger Salze beim Schwitzen ausschütten. Das heißt, ihr Organismus kann besser mit hohen Temperaturen umgehen - er hat sich sozusagen akklimatisiert.

Gefährdet sind besonders ältere Menschen und Kinder. Senioren haben oft ein schwächer ausgeprägtes Durstgefühl und vergessen aufs Trinken. Kinder haben weniger Reserven als Erwachsene, zum Beispiel speichert ihr Körper weniger Sauerstoff. "Ich kann nur betonen, bitte lassen Sie Ihr Kind nicht im heißen Auto zurück“, sagt der Arzt.

In seltenen Fällen kommt es zum lebensgefährlichen Hitzschlag. Der Körper überhitzt so sehr, dass alle Kühlungsmechanismen ausfallen, die Haut fühlt sich heiß und trocken an, Hirnschwellungen und Nierenversagen können eintreten. In so einem Fall soll man die Person als Erstmaßnahme in den Schatten bringen und abkühlen, zum Beispiel kalt abduschen. F


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