Chuck, der Allerweltsguerillero

Stadtleben | Stilkritik: Birgit Wittstock | aus FALTER 28/12 vom 11.07.2012

Er ist der Uniformschuh mit dem Nimbus eines Rockstars: der Converse All Stars

Zu Beginn fielen sie kaum auf, die paar überdimensionalen Converse, Modell knöchelhoch, mit Schablonen und weißer Farbe auf Gehsteige in Mariahilf und Neubau gesprüht. Im Laufe der vergangenen Wochen wurden es dann zusehends mehr; sie verbreiteten sich über die ganze Stadt. Die ganze Stadt? Dass die Graffiti hauptsächlich auf den Gehsteigen der Einkaufsstraßen zu finden sind, ist wohl kein Zufall.

Anfangs stellte man sich vielleicht noch die Frage, welches politische Statement hinter den Graffiti stecken mag: die Converse All Stars, auch Chucks genannt, als schuhgewordene Versinnbildlichung des Hey-ho-let’s-go-Punk? Als Mahnmal des Anarchismus und seiner Konsumkritik?

Im Gegenteil: Die gesprayten Sneakers wollen nichts infrage stellen, sie sind vielmehr die stille Erinnerung, ins nächstgelegene Schuhgeschäft zu gehen, um dort ein neues Paar Chucks zu kaufen: etwa in Gothic Grape, Skydiver Blue oder Deep


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