Menschen

Große Oper

Kolumnen | aus FALTER 28/12 vom 11.07.2012

Wir hier hinten, das geben wir gerne zu, gehen ja jetzt nicht so wahnsinnig oft in die Oper. Zu viele Noten. Rufus Wainwright hingegen, kanadischer Musiker und Sohn berühmter Liedermachereltern, schon. Der junge Mann ist dermaßen vernarrt in die Oper, dass er selbst eine geschrieben hat. Die kam allerdings beim Staatsopern-Gig von Mr. Wainwright nicht zur Aufführung, sondern alter und neuer Kram des Barden. Die Oper, Wien, das Publikum sei so amazing, sprach der Herr, dass er lieber die Sonnenbrille aufbehalte. Glücklicherweise aber nur für die ersten Nummern. Schön auch der Song für seinen Verlobten, den Deutschen Jörn Weisbrodt, der ebenfalls in der Oper saß. Im August wird geheiratet, juhu. Die leisen Momente waren auch bei diesem Konzert im Rahmen des Jazzfestes ("ich spiele in einem Opernhaus ein Popkonzert bei einem Jazzfestival, amazing!“) die besten. Und am allerbesten waren die beiden Nummern, die der Sänger ganz ohne Verstärker zum Besten gab. Das kann er nämlich, der Rufus. Ach, wie gerne wäre man Tochter bei den Wainwrights. Aber dann wäre Leonard Cohen der Großvater - denn dessen Tochter ist die Mutter von Wainwrights Tochter in dieser musikalischen, sehr modernen Familie.

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Bizarrerweise durfte Rufus Wainwright noch keinen Abdruck auf dem "Walk of Stars“ im Gasometer hinterlassen. Bryan Adams aber schon, der ebenfalls vergangene Woche unser liebes Städtchen besuchte. Dazu gab’s für den Musiker eine Sachertorte von der Aida, in der man angesichts der Temperaturen sicher auch ganz prima Handabdrücke hinterlassen könnte. Opernhaft, irgendwie.

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Während am Wörthersee um die Wette gelesen und geschwommen (unser Kollege Maik Novotny berichtet auf Seite 28) wurde, eröffnete der Schriftsteller Raoul Schrott im Museumsquartier das Lesefestival O-Töne. Ab sofort wird im Haupthof wieder jeden Donnerstag in Literatur gemacht, was offenbar das dortige Modepipapo überhaupt nicht tangiert.

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Denn dafür wiederum ist Diane Pernet zuständig, Grande Dame unter den Modebloggerinnen. Für das Frame-out-Festival hatte Pernet ein kleines Programm zusammengestellt, das unter dem Motto "A shaded view on fashion film“ lief und das Festival eröffnete. Mit dabei Comme des Garçons, Prada, Chanel, Balenciaga und Katerina Jebb, Steven Meisel, Bruce Weber, Mike Figgis und Ellen Von Unwerth. Also jetzt nicht leibhaftig, sondern nur in den Filmen. Kann man sich ansehen.

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Was letzte Woche nicht mehr in den Zoo gepasst hat: Auf dem Rathausplatz wurde die Martini-Terrasse eröffnet. Ja! Es gibt noch andere Orte in Wien, wo was los ist. Weshalb Club-Hostess Miss Candy und Almdudler-Dudler Thomas Klein mit Vespa-Konvoi zur Eröffnung kamen. Das Wiener Modelabel Tiberius mit Hang zu stylishem Lack und Leder zelebrierte seinen 20. Geburtstag dann trotzdem im Museumsquartier. Anstatt Fetisch stand zum Jubiläum Charity am Programm. Präsentiert wurde ein Benefizprojekt mit Fotografin Inge Prader, die 20 Wiener Originale, wie z.B. das Model Carmen Kreuzer oder den Szenezampano Bernd Schlacher ins rechte Licht setzte. Bei der Jubiläumsparty konnten die Fotos dann um "günstige“ 20 Euro das Stück erstanden werden. Der Erlös kommt jungen Designern zugute. Als Durstlöscher fungierten Cocktails und Wodka. Apropos: Die schönste Meldung erreichte uns aus dem Augarten: Ritta ist in anderen Umständen. Die Kunstkuh, die dort gerade residiert, wurde künstlich befruchtet. Große Oper.

Nathalie Grossschädl

Christopher Wurmdobler

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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