Musiktheater   Kritik

Teatro Barocco in der Bibliothek Stift Altenburg

Woche | aus FALTER 29/12 vom 18.07.2012

Schon Richard Strauss sagte über die Stuttgarter Urfassung seiner "Ariadne auf Naxos“, ein Publikum, das ins Schauspielhaus geht, wolle keine Oper sehen, und umgekehrt. Also schrieb er sie zur Oper um. Wie Hofmannsthal wollte auch der Intendant des Festspiels auf Stift Altenburg eine Wiederbelebung barocker Theaterformen. Es gab im 18. Jahrhundert auch die Form des musikalischen Melodrams. In der "Ariadne auf Naxos“ von Georg Anton Benda wird nicht gesungen, sondern ein Streichquintett mit Cembalo illustriert mit einem ausgedehnten Rezitativ-Accompagnato die Handlung um die von Theseus auf einer öden Insel verlassenen Ariadne. Ganz im Stil eines barocken Gebärdenkanons, wie sie im Wien Maria Theresias von einer eigenen "Akademie“ gepflegt wurden, schlüpft Bernd Roger Bienert ins Kostüm des Theseus, ein Erzähler deklamiert den Text, während die Ariadne von Kira von Zierotin nicht nur gespielt, sondern auch gesprochen wird. Musiziert wird beeindruckend. Aber es wird ein wenig langatmig.

Lustiger geht’s im "Bassgeiger zu Wörgl“ zu, wo auch wirklich Oper gesungen wird. Von dem in Salzburg tätigen Michael Haydn, Josephs jüngerem Bruder, wurde in Kremsmünster das originale Notenmaterial gefunden und andere Kompositionen von ihm hinzugefügt. Der Text ist im Tiroler Dialekt: Der Bassgeiger kommt um Mitternacht wieder einmal besoffen nach Hause, weswegen ihn seine Frau nicht hineinlässt und ihm vom Fenster Bettzeug hinunterwirft, "du schlofst draussd“ … Bärtl gibt vor, sich im Bach ertränken zu wollen. Lisl ("Tränkt hat er si!“) sucht ihn verzweifelt, worauf sich der Gatte ins Haus schleicht und wiederum sie aussperrt. Doch Amor versöhnt die Liebenden wieder. Stift Altenburg ist einen Besuch wert. Man kann auch mit der Kamptalbahn nach Horn oder nach Rosenburg fahren und über den Klosterweg ins Stift hinaufwandern. HR

Stift Altenburg, Fr, Sa 19.00


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