Fotografie  Kritik

Der Dirigent von Hell und Dunkel

Woche | aus FALTER 29/12 vom 18.07.2012

Einem größeren Publikum ist der Fotograf Heinz Cibulka als Mitarbeiter des Aktionisten Hermann Nitsch bekannt. Seit Jahrzehnten dokumentiert er dessen Orgien-Mysterien-Theater. Nun rücken zwei Ausstellungen den Künstler Cibulka ins Rampenlicht. Das Hermann-Nitsch-Museum in Mistelbach stellt in "Im Takt von Hell und Dunkel“ Arbeiten aus allen Schaffensperioden vor, angefangen von frühen Objekten über die für Cibulka typischen "Bildgedichte“ bis hin zu den großformatigen digitalen Collagen der letzten Jahre.

Das Fotomuseum Westlicht vereinigt in "Heinz Cibulka Stadtquartette“ Bildgedichte, die die Stadt zum Leitmotiv haben. Seit den frühen 1980er-Jahren macht Cibulka Zyklen von jeweils vier Einzelbildern, die die visuelle Struktur einer Stadtlandschaft darstellen. Schnappschüsse von Passanten und Skulpturen reihen sich an Aufnahmen von Firmenschildern und Fundstücken aus Büchern und Zeitungen. Er arbeitet mit Kontrasten, stellt Hell und Dunkel, kalte und warme Farben, Nah- und Fernsicht einander gegenüber. So wird die Atmosphäre eines Ortes, auch einer Jahreszeit spürbar. In "Wien II“ verschwinden Autos unter schmutzigen Schneehaufen, rastet der steinerne Löwe an einer Wasserwehr, blicken Verbrecher von einem Fahndungsplakat. Hier erhöht die Traumlogik surrealistischer Bildmontagen das Nebensächliche, dessen Alltäglichkeit durch die bewusst amateurhafte Bildausführung unterstrichen wird. Im Westlicht sind außerdem frühe Fotos von Cibulka als Model von Aktionen Nitschs und Rudolf Schwarzkoglers zu sehen. Der Schritt Cibulkas vom Assistenten zum Autor wird in der Ausstellung deutlich gemacht, wiewohl die beengte Raumsituation der Galerie eine angemessen museale Präsentation verhindert. MD

Westlicht, bis 29.7.


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