Film  Neu im Kino

Handelsübliche RomCom: "Das verflixte 3. Jahr“

Woche | aus FALTER 29/12 vom 18.07.2012

Literaturkritiker Proust mit neuer Flamme und Regiedebütant Beigbeder

Man ließe ihm zu viel der Ehre angedeihen, würde man Frédéric Beigbeder einen Equilibristen nennen. Allerdings strengt der namhafte Popliterat sich mächtig an, diesen Eindruck zu erwecken. Einerseits kokettiert er mit dem reuelosen Hedonismus und wohlfeilen Zynismus eines modernen Dandys, insgeheim würde er aber auch gern als romantischer Moralist erscheinen. Nun übernimmt er das schwere Mandat des vergnügten Narzissmus auch als Regisseur.

Für die Verfilmung seines Romans "L’amour dure trois ans“ unter dem Titel "Das verflixte 3. Jahr“ empfiehlt ihn eigentlich nur der Umstand, als Kronzeuge für die Eitelkeiten des Pariser Literaturbetriebes zu gelten. Die Fabel um einen jüngst geschiedenen Literaturkritiker (Gaspard Proust), der sein Selbstmitleid in einen linkisch misogynen Schlüsselroman gießt, ist nicht mehr als eine handelsübliche Rom Com, in der die Männer die Liebe wieder einmal mit Sex verwechseln.

Komplikationen entstehen daraus, dass der Held die Autorenschaft vor seinen Kollegen und seiner neuen Flamme (Louise Bourgoin) verbergen muss. Schlimmeres als narzisstische Kränkungen ist hier nicht zu befürchten. Über den Regisseur Beigbeder lässt sich vor allem sagen, dass er gern Szenen und Songs zitiert, die schon einmal in anderen Film ihren Zauber entfalteten. Die Erkenntnis, nicht originell zu sein, hat in seinem Kosmos ihren Schrecken verloren. Offenbar schätzt er Aphorismen im Stil von Woody Allen und den therapeutischen Slapstick eines Blake Edwards. Dass er überdies gern Michel Legrand hört, darf man ihm zugute halten, aber nicht allzu hoch anrechnen. Aus dem mit beachtlichem Elan agierenden Ensemble ragen Anny Duperey als eisern feministische Mutter und Valerie Lemercier als mokante Lektorin heraus. GERHARD MIDDING

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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