Das frühere Leben der Sammlungsstücke. Derzeit bei der Camera Austria

Woche | Kritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 29/12 vom 18.07.2012

Wie der Historiker Krzysztof Pomian in der Studie "Vom Ursprung des Museums“ so schön dargestellt hat, erfüllt sich die Funktion einer Sammlung nicht im Konservieren von dem Alltag enthobenen Dingen. Sammlungen stiften vielmehr Bedeutungen, die keineswegs von den ureigensten Qualitäten der in sie aufgenommenen Gegenstände alleine abhängen. Letztere geraten in einen Zusammenhang, der sie gewissermaßen in unterschiedliche Richtungen verzerrt, je nachdem in welche Umgebung sie in der Sammlung gebracht werden und wie der verbale Kontext der Sammlung aussieht. Und dann wäre in jedem Fall noch die archivarische Versachlichung zu nennen, die aus dem jeweiligen Objekt ein datiertes, vermessenes, geschätztes und mit Inventarnummer versehenes Sammlungsstück werden lässt. Den Fotografien der österreichischen Fotosammlung des Bundes geht es nicht anders. Dass die aktuelle, von Ruth Horak kuratierte Ausstellung von Camera Austria "DLF 1874 - Die Biografie der Bilder“ die Entstehungsgeschichte dieser Fotoarbeiten zurück in den Vordergrund holen will, um zwischen Werk und Betrachter wieder eine Brücke zu bauen, ist ein löbliches Unterfangen, das freilich ein wenig an reinkarnationstherapeutische Rückversetzung erinnert. Man darf sich fragen, ob dazu nicht umfangreichere Informationen, als sie die Beitexte an den Ausstellungswänden bieten, nötig wären. Die Ausstellung bietet trotzdem Erkenntnisgewinn, weil ihr verschachteltes, nicht selten ins Improvisierte kippende Setting mit seinen Brüchen, Inkonsistenzen und überraschenden Verknüpfungen das Sammeln selbst porträtiert. F

Camera Austria - Kunsthaus Graz, bis 2.9.


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