Meinesgleichen

Wieder einmal ein Wort ans Meerschwein

Falter & Meinung | aus FALTER 29/12 vom 18.07.2012

Triumphierend lachte die junge Kollegin auf, als wir über Schachcomputer sprachen. Sie freute sich über das Datum, da der Schachweltmeister dem Computer endgültig unterlegen war. Sie empfand dieses Datum als einen Triumph der neuen Zeit, ihrer Zeit, einer anderen Zeit als zum Beispiel meiner, der eines grauen Sacks.

Am Ende seines Essays über das literarische Eigentum kommt der Literaturwissenschaftler Philipp Theisohn auf einen verwandten Sachverhalt zu sprechen. Ihm falle auf, "wie schwer es mittlerweile eigentlich geworden ist, über Besitz und Technologie zu reden, ohne augenblicklich reaktionär zu erscheinen. Der Glaube an die bestmögliche Organisation der Dinge und deren Verarbeitung durch die Maschinen einerseits und die Auffassung der maschinellen Evolution als eines Prozesses menschlicher Selbstaufklärung andererseits haben sich bereits so weit als konsensfähige Denkmodelle etabliert, dass jeder Widerstand gegen die Realisation medientechnischer Möglichkeiten inakzeptabel erscheint.“ Mit etwas einfacheren Worten: "Wir glauben nicht nur daran, dass die Anpassung unserer Ökonomien an die computerisierte Welt zwangsläufig ist. Wir glauben auch, dass sie gut für uns ist.“

Aber den Meerschweinchen aller Klassen ins Stammbuch: "Die Maschinen werden nicht dazu genutzt, den Menschen die Partizipation an ihren Volkswirtschaften zu erleichtern, sondern sie dienen - allen Träumen von der, digitalen Bohème‘ zum Trotz - als Disziplinierungsinstrument.“

Quelle:

Philipp Theisohn: Literarisches Eigentum. Zur Ethik geistiger Arbeit im digitalen Zeitalter. Kröner 2012, 138 S., € 12,30


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