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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 29/12 vom 18.07.2012

Oligarchische Rechtsstaaten

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs gibt es wenig radikale Kritik an der Demokratie. Dabei gehört die Debatte doch zu ihrem Wesen.

Gut, dass es Philosophen wie Jacques Rancière gibt, die mit Büchern wie "Der Hass der Demokratie“ dafür sorgen, dass man das Hinterfragen nicht verlernt. Etwa wenn er daran erinnert, dass Freiheit auch die Freiheit beinhaltet, falsch zu handeln. Oder daran, dass Demokratie nicht die "Idylle der Regierung des Volkes durch sich selbst“ sei, sondern die "Unordnung der nach Befriedigung durstenden Leidenschaften“. Zum Beispiel jener nach Konsum; oder jener nach Macht. Hass attestiert Rancière der Demokratie, wenn sie mit Waffengewalt exportiert wird, um andere (die man dann gerne Opfer nennt) damit zwangszubeglücken. Demokratie ist immer noch ein Ziel. Denn derzeit, so Rancière, leben wir eher in oligarchischen Rechtsstaaten.

Kirstin Breitenfellner

Jacques Rancière: Der Hass der Demokratie. August, 101 S., € 16,50

Einblicke


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