Mediaforschung  

Sind Zuschauerinnen von Sixx Austria dumm wie ein Hendl?

Nachfragekolumne

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 29/12 vom 18.07.2012

Tussi heißt auf Englisch "bird“, Mädchen im Slang "chick“. Der selbsterklärte "Frauensender“ Sixx Austria hat ein geschminktes Hendl als Testimonial gewählt, es trägt ein Krönchen und hat lange Wimpern. "Wir machen das Programm für haushaltsführende Powerfrauen mit hohem Nettoeinkommen und noch höheren Ansprüchen“, wirbt der Sender um Kunden. Auf dem Sixx-Werbesujet neben dem gekrönten Hendl steht: "Mädls, euer Fernsehen ist da!“

Es gibt einen Verdacht von missmutigen Kritikern, die sagen, das geschminkte Hendl würde für die Zielgruppe stehen - also für die Powerfrauen, die den Haushalt schupfen und nebenbei noch gut verdienen. Und weil Hendln nicht zu den reflektiertesten Geschöpfen auf Gottes Erden zählen - man sagt zu einem dummen Menschen beispielsweise: "Der hat ein Hirn wie ein Pipihendi“ - schwingt eine Portion Frauenfeindlichkeit mit.

Diesen Vorwurf will sich der peppige Klischeesender nicht gefallen lassen. "Das Huhn steht nicht für die Frauen, das Huhn ist die Botschafterin des Senders“, heißt es aus dem Pressebüro von Sixx Austria. Die Zuschauerinnen seien selbstbewusst, einzigartig, sexy und lebensfroh.

Anfang Juli nahm Sixx Austria den Sendebetrieb auf, der Start war erfolgreich: Mit dem Film "27 Dresses“ erreichte er einen Marktanteil von 2,4 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe. Es war eine seichte Romantikkomödie, es ging ums Heiraten.

Die Amerikaner haben für solche Streifen einen eigenen Namen erfunden, sie sagen dazu "chick flick“.


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