Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch Bruder Baum nicht zu!

Feuilleton | Filmkritik: Klaus Nüchtern | aus FALTER 29/12 vom 18.07.2012

Der Name ist eine Erfolgsgarantie: Theodor Seuss Geisel (1904-1991), bekannt als Dr. Seuss (und so ausgesprochen, dass er sich auf "Joyce“ statt auf "juice“ reimt), hat mit Kinderbüchern wie "Der Grinch“, "Ein Kater macht Theater“ oder "Horton hört ein Hu“ Furore gemacht.

Nachdem sie alle schon verfilmt sind, ist jetzt "Der Lorax“ dran, der in den USA prompt den besten Kinostart des Jahres hingelegt hat. Das ist kein Wunder, denn das quietschbunte 3-D-Abenteuer ist ein politisch korrekter Öko-Spaß für die ganze Familie, quasi die Kartoffelstärketragtasche unter den Animationsfilmen.

Wie schon der "Grinch“ spielt auch "Der Lorax“ in einer cleanen Kleinstadtklischeekulisse: In Thneed-Ville tragen heterosexuelle Männer Schnurrbart und Frauen die gleiche Dauerwelle wie ihre Mütter. Alles, was aus Plastikflaschen kommt, macht happy. Dieses konsumistische Glück würde ewig währen, hätte sich der zwölfjährige Ted nicht in die hübsche Audrey verschaut, deren größter Traum es ist, einen echten Baum zu sehen und nicht nur den elektrischen Ersatz mit den Beleuchtungsmodi "Frühling“, "Sommer“, "Herbst“, "Winter“ und "Disco“.

Also verlässt Ted auf seinem Einradmoped die Stadt. Das Umland sieht in etwa so freundlich aus wie Mordor oder Isengard, weil der vergreiste und -bitterte Once-ler, den Ted auf Anraten seiner Oma aufsucht, als junger Mann eine sehr erfolgreiche Geschäftsidee hatte, der alle Bäume der Gegend zum Opfer fielen. Selbst deren Schutzgeist, eine freundliche Erdnusslocke mit blondem Schnurrbart namens Lorax, konnte das nicht verhindern.

Aufgrund der zahlreichen Rückblenden und Musicaleinlagen verliert der Film freilich an Drive, da helfen auch die sehr gelungenen 3-D-Effekte wenig. Nicht nur der Titelheld, auch der charmante Bösling O’Hare bleibt relativ blass und unterentwickelt. Und letztendlich ist die Natur so sauber wie ihr Substitut: Echte Bäume sehen aus wie Zuckerwatte.

Ab 20.7. in den Kinos


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