Stadtrand 

Vom Leben in der Gentrifuge

Urbanismuskolumne

Stadtleben | aus FALTER 29/12 vom 18.07.2012

Die Selbstgentrifizierung geht in die nächste Runde. Langsam machen am Yppenplatz die ersten Aussteigerhütten schon wieder zu, also jene "Projekte“, in denen man internationale Kochbücher, Wasabischaumsüppchen und anderen ambitionierten Quatsch angeboten hat - und die Leute eh nur Aperolspritzer haben wollten. Jetzt heißt es durchhalten, tapfere Büstenhalterverkäuferin. Lass dir bloß nicht auf die letzten paar Meter das Geschäft kaputtmachen. Bloß nicht noch ein Restaurant mit ironischem Namen, wo man - in Bezug auf die vormalige Nutzung - im Wäscheambiente Fusionsküche anbietet.

Wenn Sie also diesen Samstag bei der Besitzerin des einzig verbliebenen Unterwäschegeschäfts am Markt wahnsinnig günstige, wahnsinnig hübsche und bunte Ruderleibchen kaufen (oder Büstenhalter), sprechen Sie der Frau Mut zu. Sie möge durchhalten. In zwei, drei Wochen sind Leibchen und Halter chic. Retrochic. Sie wird das Geschäft ihres Lebens machen! Was, wenn nicht? Dann übernehmen wir den Laden, nennen ihn Wasabi-Wäsche. Und verlangen das Vierfache.


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