Selbstversuch

Fahr mir bitte ab mit dem Schas

Kolumnen | Doris Knecht  | aus FALTER 29/12 vom 18.07.2012

Weil eben wieder jemand wegen den Mimis gefragt hat: Ich habe eben wieder einmal die Mimis gefragt.

"Ist es euch noch Recht, in dieser Kolumne vorzukommen?“

"Warum?“

"Weil manche Leute sich Sorgen um eure Privatsphäre machen.“

"Nein, ist cool.“ "Ja, passt.“

"Wenn ihr das nicht mehr wollt, kommt ihr in der Kolumne nicht mehr vor, nur dass das klar ist.“

"Ist okay.“ "Solange du nichts Peinliches oder zu Privates über uns schreibst.“

"Tu ich nicht, ist alles exemplarisch, wollt ihr vielleicht endlich einmal was davon lesen?“

"Danke, vielleicht später.“

Vielleicht später heißt: Ich will nicht unhöflich sein, aber fahr mir bitte ab mit dem faden Schas.

Mir recht. Ich muss etwas besprechen. Es war so: Wir hatten ein paar Gäste, mit und ohne Kinder, wir saßen unterm Birnbaum, ein Rudel Kinder rannte herum, es war warm, wir grillten, wir aßen, rauchten, tranken Bier und Wein, und dann fing einer der Gäste an, sich einen Joint zu drehen. Und ich gab ihm zu verstehen, dass er das bitte nicht vor den Kindern machen soll. Und er schaute mich an, als sei ich nicht mehr ganz bei Sinnen. Weil warum jetzt das?

Ja, warum? Der Lange und ich kiffen nicht, nicht aus moralischen oder anderen Gründen, es ist einfach nicht unsere Droge. Wir haben es früher gemacht, aber es konvenierte einfach nicht. Wein und Bier, das sind unsere Drogen, und beim Langen noch Zigaretten und bei mir, das ist jetzt peinlich, thailändische Instantgiftnudelsuppen, von denen ich, sprechen wir’s gelassen aus, seit Jahrzehnten schwer abhängig bin. Aber wir haben nichts gegen das Kiffen und wir finden es bescheuert, dass es bei uns immer noch verboten ist.

Die Mimis sind jetzt zehn. Sie wollten kürzlich wissen, was Gras und Haschisch und Kiffen ist. Wir haben es ihnen erklärt. Sie wollten wissen, ob wir Leute kennen, die kiffen. Wir haben es ihnen gesagt: ja. Sie haben gefragt, ob wir auch kiffen. Wir haben ihnen gesagt, was Sache ist, siehe oben. Aber wir haben noch nicht mit ihnen darüber geredet, dass wir nichts dagegen haben, wenn man es in unserer Gegenwart tut, so wie wir nichts dagegen haben, dass bei uns getrunken und geraucht wird.

Ich habe dem Gast dann erklärt, dass ich den Mimis nicht das Gefühl geben will, es sei völlig normal und alltäglich, Drogen zu nehmen. Aber trinken und rauchen schon? Äh, hm. Und da habe ich mir auch gedacht: Warum? Hält es sie davon ab, es irgendwann selbst zu tun oder zumindest auszuprobieren? Können, müssen, wollen wir sie davon abhalten? Und wenn ja: wie? Indem wir gute Vorbilder sind? Oder besser, indem wir schlechte Vorbilder ist? Werden sie rauchen und trinken, weil wir es auch tun, oder werden sie es nicht tun, weil wir es tun? Schwierig. Am besten einmal die Mimis fragen, ja genau.


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