Nachrichten aus dem Inneren

Falter & Meinung | Ingrid Brodnig | aus FALTER 30/12 vom 25.07.2012

Die Redaktion erklärt sich selbst

In Wahrheit arbeiten wir Falter-Redakteure nur die halbe Woche. Den Rest der Zeit verbringen wir damit, nach Besteck und Geschirr zu suchen, das auf mysteriöse Weise aus der Küche verschwunden ist. Diese Woche vermisst: sämtliche Kaffeelöffel.

Die Kollegen haben verschiedene Theorien, warum immer wieder Küchenutensilien fehlen. Da verdächtigt eine Abteilung die andere; Mitarbeiter, die auffällig viele Gläser herumstehen haben, werden kritisch beäugt. Die Einsatztruppe CSI:Falter hat auch schon die Küche im oberen Stock durchsucht. Nix da. Ich glaube, ehe wir den Geschirrdieb dingfest machen, wandert manch ein Exfinanzminister in den Häfen.

Jedenfalls wirkt sich die Besteckknappheit nicht gerade positiv aufs Firmenklima aus. Da wird man am frühen Morgen angeraunzt, weil man es wagt, zwei Gläser statt nur eines aus dem Regal zu nehmen. Ganz schlimm war es, als einmal alle Kaffeetassen verschwanden. Wolfgang Kralicek brummte nur noch einsilbig. Florian Klenk wirkte noch gestresster als sonst. Und ich selbst war kurz davor, einen Streik anzuzetteln. Redaktionsschluss ohne Kaffeehäferl - seid ihr wahnsinnig?

Ehe es zur Eskalation kam, kaufte die Geschäftsführung neue Tassen. Überhaupt muss ich die Geschäftsführung loben: Nach Abschluss der Wuchtelwette bekam jeder Mitarbeiter gratis Bier. Aber vielleicht soll das nur von den fehlenden Kaffeelöffeln ablenken. Ich spüre schon wieder so einen revolutionären Groll in mir aufsteigen. Ich fordere Verteilungsgerechtigkeit. Und zwar in der Falter-Küche!


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