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Trostbedarf

Falter & Meinung | aus FALTER 30/12 vom 25.07.2012

Gleich in mehreren Texten widmete sich Falter 30/1992 dem Ausländerthema. Zum einen tobte Krieg auf dem Balkan; Bernhard Odehnal war nach Bosnien gefahren, um von den schlimmen Zuständen zu berichten. Tausende bosnische Vertriebene lagerten eingekeilt zwischen serbischen und kroatischen Truppen, kurz vor dem serbischen Angriff, ihres Todes gewiss.

Derweil verhandelte man in Österreich hektisch, ob und wenn ja, wie viele Flüchtlinge man aufnehmen könne und wolle. Thomas Seifert wütete in einem Kommentar über oberösterreichische Bürgermeister ebenso wie über den Innenminister Franz Löschnak (SPÖ), der auf die ständige Kritik des Caritas-Chefs Helmut Schüller gesagt hatte, es reiche ihm. Seifert: "Mir reicht’s nämlich auch. Wirklich!“

Beschämend auch Othmar Pruckners Bericht. Das Innenministerium weigerte sich nämlich, Kriegsflüchtlingen Deutschkurse anzubieten. Man wollte ihnen keine Hoffnung machen, hierbleiben zu können. Durch private Hilfsbereitschaft kam der Deutschkurs dann doch zustande.

Ach ja, das Bundesheer patrouillierte ab sofort an der Grenze; die eingeführte Visumpflicht für Serben sorgte gleich für eine entsprechende Zahl der Aufgriffe.

Im Feuilleton trösteten uns Chris Duller mit Tracy Chapman ("T.C. ist schon okay. Sie ist nicht nur okay, sie ist eigentlich geradezu makellos, als Seelentrösterin. Danach besteht, offenbar, Bedarf“) und Wolfgang Zinggl mit James Turrell, dem Lichtkünstler, der postulierte, Lichtstrahlung auf der Haut würde den Körper voller Sensoren machen, die er mit seiner Kunst stimuliere. Zinggl poetisch: "Nach einem Leben voll des bunten Lichts, wäre es fürwahr kein Wunder nicht.“

Tanja Paar stimmte das Publikum auf einen hoffnungsvollen jungen Theaterregisseur namens Martin Kušej ein, während Johann Skocek die kommende Fußballsaison ankündigte. Gustl Starek hatte gerade Hans Krankl als Rapid-Trainer abgelöst. "Er werde sich kein Blatt vor den Mund nehmen, hat er schon überflüssigerweise angekündigt, der Gustl.“ aT


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